Gerichtszeichnung von Christine Böer. IS-Kämpfer aus Wolfsburg 2015.

IS-Kämpfer aus Wolfsburg 2015

Ebrahim H. B. und Ayoub B. sind angeklagt, für den Islamischen Staat (IS) in Syrien in den Heiligen Krieg gezogen zu sein. Ihre Anwälte– je zwei vor den Angeklagten– versuchen, dies zu bagatellisieren und fordern die Entlassung der beiden nach einem Jahr in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft fordert bei Ebrahim eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren – und 7 Jahre Haft für Ayoub für Beihilfe zum Mord in sechs Fällen sowie Beihilfe zum versuchten Mord in 28 Fällen. Er war Krankenwagenfahrer bei einer IS-Attacke gewesen, wo es 6 Tote und 28 Verletzte gab.


Gerichtszeichnung von Christine Böer. Edathy Prozess 2015.

Edathy Prozess 2015

2015 wird der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy beschuldigt, pornographische Darstellungen von Kindern und Jugendlichen auf sein Dienst-Labtop geladen zu haben. Mehrere SPD-Mitglieder wußten im Vorfeld von einer Untersuchung des Falls ihres Parteikollegen. Einer warnt E., der daraufhin Beweismittel löscht und behauptet, im juristischen Sinn nichts Strafbares getan zu haben. Widerwillig stellt er sich dann doch einem Gerichts-Verfahren. Am 2. Verhandlungstag läßt der Angeklagte Edathy durch seinen Anwalt ein verabredetes Geständnis verlesen, Edathy gibt darin Fehler zu, findet jedoch kein Wort der Reue. E. wird zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt.


Gerichtszeichnung von Christine Böer. Prozess gegen Bundespräsident Christian Wulf

Wulff als Zeuge

Wulff- Prozess 2013-2014

Wulff iniziiert sein Verfahren selbst und plädiert in eigener Sache "Auch Politiker haben ein Recht auf Freunde!" Der Ex-Bundespräsident nahm Vorteile wahr und und begünstigte Freunde, die Wulffs Politik/ Bücher finanziell unterstützten. Der Steuerzahler wurde dreimal zur Kasse gebeten; mit dem Prozess, durch Wulffs Lobbyismus und durch Entschädigungen, die der Freispruch auslöst. Ihm wird "Ehrensold" bewilligt und ein Wagen mit Chauffeur auf Lebenszeit. Wulffs Freispruch erfolgt auch, weil man das Amt eines Bundespräsidenten nicht beschädigt sehen will.

Gerichtszeichnung von Christine Böer. Prozess gegen Bundespräsident Christian Wulf

Bettina Wulff als Zeugin

Gerichtszeichnung von Christine Böer. Prozess gegen Bundespräsident Christian Wulf

Pressesprecher Olaf Glaeseker im Zeugenstand


Gerichtszeichnung von Christine Böer. Prozess gegen somalische Seepiraten

Prozess gegen somalische Seepiraten 2012

10 Somalier kapern einen Hamburger Containerfrachter, um die die Besatzung zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Die Besatzung verschanzt sich im Fluchtraum, eine niederländische Fregatte kommt zu Hilfe. 2010 beginnt ein Prozess in Hamburg. Deutsches Rechtsverständnis trifft auf in Willkür und Armut aufgewachsene Angeklagte, die mit ihrem Tod rechnen. Zwei Jahre arbeitet sich das Gericht akribisch durch Akten, Fotos, Vernehmungen, Protokolle und Beweisanträge. Somalia gilt als ein gescheiterter Staat, in dem es mehr Waffen als Essen gibt. 2012 werden 7 der erwachsenen Seepiraten zu Haftstrafen zwischen 6 und 7 Jahren verurteilt. 3 jüngere Mittäter kommen in einen Jugendhort, wo sie deutsch lernen und eine Ausbildung erhalten. Das Gerichtsverfahren kostet den Steuerzahler etwa 8 Millionen Euro, das bedeutet über die Hälfte des Jahresbudgets des Antipiraterie-Programms der Vereinten Nationen.


Gerichtszeichnung von Christine Böer. Prozess wegen Autocrash in Eppendorf

Autocrash in Hamburg-Eppendorf 2011

Links Anwalt, rechts Beschuldigter. Cäsar S. rast mit über 100 km/st bei Rotlicht über eine Kreuzung, stößt mit einem Cabrio zusammen und landet zwischen Fußgängern an einer Ampel. Vier Menschen kommen zu Tode, 20 werden verletzt und traumatisiert. Der Täter, der unter Epilepsie leidet, ist vorbestraft. Bis zuletzt uneinsichtig, wird er zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.


Das Buch Gezeichnete – Menschen vor Gericht thematisiert Gerichtsprozesse als Zeit-Zeichen.

Gezeichnete-Menschen vor Gericht


Das Buch "Gezeichnete – Menschen vor Gericht" thematisiert Gerichtsprozesse als Zeit-Zeichen. Es behandelt einmal sogenannte kleinere Delikte wie den S-Bahn-Schubser, einen Graffiti-Sprayer, Provinzluden– andererseits werden spektakuläre Strafprozesse um Kredithaie, Erpresser oder Mörder aufgerollt. Christine Böer hat Angeklagte, Richter und Anwälte mit knappem Strich charakterisiert. Zeichnen heißt auch immer "weglassen". Im doppelten Sinne Gezeichnete offenbaren sich durch ihre Aussagenund durch Mimik und Gestik. So gibt all das Aufschluss über Fehlverhalten und Tabubrüche in unserer Gesellschaft. Umstände kommen zur Sprache, die kriminelle Energie und Ekzesse auslösen können…
Gerichtsverfahren um Erich Honecker, das Politbüro und Grenzgeneräle der ehemaligen DDR und der Untersuchungsausschuß zur CDU-Spendenaffäre bilden den zweiten Teil dieses Streifzugs durch Abgründe der menschlichen Psyche. C. Böers Stift und ihre sparsamen Texte beleuchten Tragödien für den, der sich auf den "Strauß böser Blumen" einlässt.

Das Buch wurde von der Wochenzeitung "Die Zeit " und von prominenten Anwälten in Hamburg finanziell unterstützt.


Reemtsma-Prozess 1997– 2001

Reemtsma-Prozess 1997– 2001

Jan Philipp Reemtsma und der Erpresser Thomas Drach begegneten sich vor Gericht. Auge in Auge mit seinem früheren Peiniger, dessen Gesicht er im Keller nie sah, schilderte Reemtsma als Nebenkläger die Tat. Während der 33 Tage im Kerker studierte Reemtsma seinen Kidnapper genau. Er schrieb eine Art Tagebuch und wandelte so passives Erdulden in Aktivität. "Schreiben half gegen die Angst"

Der Hauptteil des Lösegeldes ist bis heute nicht gefunden.


Der Fall Alexander Schalck Golodkowski

Der Fall Alexander Schalck Golodkowski 1998 –

Der ehemalige Devisenbeschaffer der DDR sass in der Kantine des Berliner Landgerichts der Zeichnerin gegenüber und liess sein Leben Revue passieren. Schalck entpuppte sich als wahrer Kosmopolit, der immer oben zu schwimmen gewohnt war. Er sprach mit Berliner Zungenschlag und ohne Reue. "Herrschen?" der Clevere entmystifizierte den Begriff sofort. "Da brauchste keene Fremdsprache zu können, da musste nur Ja und Nein sagen. Mein janzet Leben ha' ick mich mit Menschen beschäftigt… ohne Illusionen".


Der Fall Terrorist Carlos

Der Fall Terrorist Carlos

Das Urteil im Fall "Terrorist Carlos" 1997 vor dem Pariser Palais de Justice Gesucht wegen blutiger Anschläge rund um den Globus, die ungefähr 80 Menschen verletzten oder das Leben kosteten, sass der korpulente Angeklagte wie ein Schauspieler der Richterbank gegenüber und hielt ein vierstündiges Plädoyer in eigener Sache. Carlos mit dem Spitznamen "der Schakal"befand sich dabei unter einem Gobelin, auf dem eine Jagdszene abgebildet war. Zeichnerin Christine Böer hielt die seltene Konstellation "der Schakal unter dem Hund" fest und eroberte sich mit diesem Coup einen Sitzplatz, von dem aus sie endlich gut sehen und arbeiten konnte.